Actinomyceten

Die Actinomyceten (übersetzt Strahlenpilze) sind den meisten Landwirten vermutlich unbekannt, obwohl sie deren Geruch mögen. Die Actinomyceten sind nämlich für den Erdgeruch verantwortlich. Sie zählen zu den Bakterien und sind meistens anaerob, aber auch gelegentlich (fakultativ) aerob. Sie wachsen langsamer als die anderen Bakterien, sind aber in der Lage, schwerer abbaubare kohlenstoffhaltige Erntereste abzubauen. Ihren Namen erhalten sie von der Eigenschaft einiger Arten, die eine Art Mycel bilden. Am bekanntesten sind die Streptomyceten. Diese Bakteriengattung ist in der Lage Antibiotika zu bilden. Die Streptomyceten bevorzugen eher leicht saure Verhältnisse; oberhalb von pH 6.8 stellen sie ihr Wachstum ein. Streptomyces halstedii wird eine Wirkung gegen Schadpilze nachgesagt.

Sie besitzen aber auch wachstumsfördernde Eigenschaften, wie vor wenige Jahren eine kolumbianisch-spanische Forschergruppe herausgefunden hat. Sie haben 30 Arten aus der Rhizosphäre von Rotklee isoliert. Einige Arten fördern das Mykorrhiza-Wachstum; die meisten Arten sind in der Lage, im Boden festgelegten Phosphor zu lösen und zwar durch Bildung des Enzyms saure Phosphatase. Durch die Bildung von Siderophoren (übersetzt Eisenträger) – das sind niedermolekulare Peptide, die Eisen binden – sind sie auch in der Lage, die N-Fixierung durch die Rhizobien zu verbessern. Besonders wirksam ist die Kombination der Aktinomyceten-Spezies Spezies Thermobifida MCR24 mit dem Mykorrhiza-Pilz Glomus mossae. Das Sprosswachstum des Rotklees wurde um das Sechsfache gefördert, die Wurzelmasse mehr als verdoppelt und das Mykorrhiza-Netzwerk um das Fünffache verlängert.

Gleichzeitig wird – verglichen mit der Kontrolle – 60 % mehr Stickstoff fixiert und die P-Konzentration um das 2,5fache gesteigert. Für die Wissenschaftler ist dies ein wichtiger Weg, um in den ärmeren Ländern die Abhängigkeit von mineralischen Düngemitteln zu verringern. Polnische Untersuchungen zeigen, dass sie in der Lage sind, Herbizidrückstände abzubauen. Wissenschaftler der masurischen Universität in Olsztyn konnten nachweisen, dass die Zahl der Actinomyceten-Kolonien unter dem Einfluss einiger Herbizide zunimmt und die Phosphatase-Aktivität gesteigert wird. Auch auf Glyphosat reagieren die Actinomyceten positiv, wie eine australische Studie zeigt.

Klärschlamm wirkt sich positiv auf das Wachstum der Actinomyceten aus, nicht aber Gülle. Mit zunehmender N-Düngung nimmt die Menge an Actinomyceten ab. Bei 120 kg N/ha waren es 28 % weniger als bei 60 kg N/ha, wie zweijährige Versuche mit Sommertriticale aus Polen zeigen. Die reduzierte Bodenbearbeitung mit zwei Arbeitsgängen (Grubbern im Herbst bzw. im Frühjahr) übte einen positiven Effekt aus. Erstaunlicherweise wurde die höchsten Erträge bei 60 kg N erzielt (58.8 dt/ha sowohl in der Pflugvariante als auch in der Grubbervariante. Bei einem kanadischen Versuch an der Universität von Calgary war die Actinomyceten-Population nach einer Pflugfurche im Herbst deutlich geringer als nach der Minimalbodenbearbeitung oder Direktsaat. Untersucht wurde u.a. Streptomyces halstedii.