Hoffnung für Afrika (neu)

Als ich vor mehr als drei Jahren mit den Bodeninformationsdiensten begann, ging es in einem der ersten Beiträge um einen Analphabeten, dem Kleinbauern Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso. Ihm gelang etwas, an dem hunderte von Entwicklungshelfern gescheitert waren: die Wiederbegrünung der ausgedorrten Sahel-Zone und die Wiedergewinnung der Bodenfruchtbarkeit. Dadurch wandelte er sich von einem Almosenempfänger zu einem Bauern, der wieder von dem leben konnte, was er erwirtschaftete. Entdeckt hat ihn Professor Chris Reij von der Freien Universität in Amsterdam, der sich zur Aufgabe gemacht hat, diese Pioniere zu fördern und fachlich zu unterstützen.

Prof. Chris Reij: Yacouba hatte ganz allein mehr Einfluss auf die Konservierung als alle nationalen und internationalen Forscher zusammen. In dieser Region waren zehntausende Hektar Land völlig unproduktiv, die durch Yacoubas Techniken wieder produktiv wurden.

Das Handwerkszeug für Sawadogos Erfolg ist ganz einfach:

Vor Beginn der Regenzeit Pflanzlöcher (sog. Zais) von 30 cm Durchmesser und 20 cm Tiefe graben.

Arten mit besonderen Eigenschaften auswählen (Stickstoffbindende Arten, 
Medizinalpflanzen, Schatten spendende bzw. Wasser sammelnde Arten, Pionierpflanzen, die auch harte Bodenschichten durchstoßen können, u.a. Faidherbia albida, Azadirachta indica, Balanites aegyptiaca, Piliostigma reticulatum, Combretum micranthum , Bombax costatum, Parkia biglobosa, Butyrospermum paradoxum var. parkii, Sclerocarya birrea, Lannea microcarpa, Khaya senegelensis, Cassia sieberiana, Guiera senegalensis. Immer hat er genau beobachtet, welche Arten an welchen Stellen wachsen und was sie für einen Effekt ausüben.

Nach dem Setzen der Pflanzen die Löcher mit Mist und Kompost füllen.

Sobald die Bäume sich etabliert haben, baut er dazwischen Hirse und Sorghum an sowie 
einige wenige bekannte Gräserarten (Andropogon gayanus, Pennisetum pedicellatum)

Auch das Spirituelle sollte nicht fehlen: „Wenn ich Gott für etwas frage, gibt er es mir.“

Die Effekte auf die Ackerflächen sowie die Umgebung sind bezeichnend:

Verdreifachung der Erträge, Senkung der Durchschnittstemperatur, zunehmende Niederschläge, Anheben des Grundwasserspiegels um 5 bis 17 Meter, besserer Lebensraum für die Nutztiere (sind in Afrika als Statussymbol sehr wichtig!), enorme Biodiversität. Heute wachsen auf Sawadogos Flächen über 60 Arten, die Mensch und Tier nicht nur ernähren, sondern auch zu einem guten Einkommen verhelfen.

Jetzt steht ihm wieder genügend Feuerholz zur Verfügung; außerdem wird das Holz vieler Arten genutzt, um Stühle zu drechseln oder Hütten zu bauen.

Mittlerweile entstehen in Afrika viele derartige Projekte, die den Menschen helfen, wieder als selbständige Bauern leben zu können. Einer der wichtigsten Pioniere ist der australische Landwirt und Missionar Tony Rinaudo. „Gegen den Hunger in Afrika musst du Bäume pflanzen. Nur so kann die Ausbreitung der Wüste aufgehalten werden, nur so kann die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden“, hatte Rinaudo im Studium gelernt. Und so machte der junge Absolvent, was vor ihm Tausende andere Entwicklungshelfer getan hatten: Er pflanzte Bäume. Was im Experiment unter Laborbedingungen westlicher Forschungseinrichtungen funktionierte, klappte in der afrikanischen Realität nicht. Wie seine Vorgänger versenkte er viel Geld und Arbeit im sandigen Boden. „Ich habe rund 6000 Bäume pro Jahr gepflanzt. Wahrscheinlich kann man an einer Hand abzählen, wie viele davon heute noch leben“, sagt Rinaudo. (zitiert aus der Welt vom 28.6.2015). Bei einer Fahrt durch die Savanne entdeckte der Australier, einen Baumstumpf, aus dem ein junger Trieb wuchs. Schlagartig wurde ihm klar, dass die vielen abgeschnittenen Bäume nicht tot sind, sondern im Untergrund weiter leben. In ihren intakten Wurzeln speicherten sie genug Wasser. Rinaudo musste die Farmer nur davon überzeugen, dass die jungen Triebe von den Ziegen wieder abgefressen werden und dass durch einen schonenden Baumschnitt die kräftigsten Triebe gefördert werden. Dank der Rekultivierung entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit ein Mikroklima, das nicht nur das Wachstum der natürlichen Vegetation antreibt, sondern auch im Schatten der Bäume den Anbau von vielen Feldfrüchten ermöglicht. Bei einem Projekt in Äthiopien kam heraus, dass der auf 2728 Hektar zurückgekehrte Wald nach einer unabhängigen Studie 73.339 Tonnen Kohlendioxid gespeichert hat. Dafür erhielt die Bauernkooperative bislang 322.691 Dollar. Mit dem Geld bauten sie Speicher und zwei Mühlen für ihre Ernteüberschüsse. Eine kostengünstigere Methode, die vor Ort so viel Wertschöpfung ermöglicht, gibt es nicht! Das Verfahren, welches unter der Abkürzung FMNR (Farmer Managed Natural Regeneration) firmiert, wird mittlerweile in mehr als 15 afrikanischen Staaten ausprobiert. Für Professor Reij ist dies „wohl die größte Umweltveränderung in Afrika in den vergangenen hundert Jahren.“ Mittlerweile betreiben allein in Niger über eine Million Bauern auf 5 Millionen Hektar diese Art der Landwirtschaft unter Bäumen.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die industrielle Landwirtschaft in Afrika die Probleme besser lösen kann. Vor allem aber ist es ein Irrtum zu glauben, dass nur die Industriestaaten und die flächenreichen Schwellenländer die Welternährung sicherstellen können.