Die Intelligenz der Natur nutzen

DER INTELLIGENTE KULTURDJUNGEL

Das Ende der Weltwaldvernichtung, der Welt Hunger-, Wasser- und Energiesorgen, der Sauerstoff- und Ozonvernichtung und des CO2 -Treibhauseffektes, sowie der Weltarbeits­losigkeit. / Horst von Hasselbach

Wo heute 2 Milliarden ha Graswildnisse dabei sind, bis zum Ende des Jahrtausends das Doppelte an tropischer Trockenfläche auszumachen, dehnten sich früher tropische Regenurwälder aus und sorgten für ein lebendiges, dauergrünes Wetter- und Nahrungs­gleichgewicht: Das war die bioökologische Intelligenz der Natur. – Dieses natürliche Lebensgleichgewicht auf der Erde durch einen intelligenten Kulturdjungel in den gesamten Tropen wiederherzustellen ist das Ziel der 45-jährigen Entwicklungsarbeit G. F. van der MEULENs, Direktor des Landwirtschaftlichen Beratungsinstituts für die Tropen in Den Haag, und der Stiftung Agriculture Man Ecology (AME) unter Leitung von Aldrik N. COPIJN.

Alle großartigen Lösungen sind einfach. Sie nutzen den natürlichen Lauf der Welt. Und doch ist es nie einfach gewesen, diesen zu erkennen. Ein langes, arbeits- und entbeh­rungsreiches, aber freudigen und aufrichtigen Herzens durchkämpftes und so erfülltes Leben steht gewöhnlich an der Schwelle zu einem wahrhaft großen Wurf.

F. van der MEULEN ist heute über 90 Jahre. 1922 entdeckte er erstmalig mitten in der Trockenzeit auf West Java in einer sonst ausgedörrten Gummiplantage saftig grüne Baumkronen. Ein ihm unbekannter, kriechender und kletternder Schmetterlingsblütler hielt, beim Näherkommen, den Boden bedeckt und hatte den allgemeinen Graswuchs verdrängt. Der sonst überall harte, rissige Boden war hier unter der 30 cm hohen Blätterdecke feucht und zeigte Regenwurmhäufchen. Auszählung eines Spatenstiches ließ auf eine Regenwurmdichte von 150.000 / ha schließen. Überall woanders dagegen war es selbst mit einem Pickel nicht möglich, in den Boden auch nur einzudringen. Was lag hier vor?

F. van der MEULEN hatte die erste Pflanze entdeckt, die nicht nur Stickstoff, sondern auch Wasser aus der Luft aufnahm, und durch die Wurzeln wieder in das Erdreich abschied.

Als wissenschaftlicher Forschungsassistent erkannte er sofort die hierin liegenden prak­tischen Möglichkeiten. Bald waren Tausende von Hektar in Indonesien mit dem Dauer­grüner Centrosema pubescens bedeckt, ergänzt durch die einjährige Pueraria javanica, die zu Beginn der Regenzeit so rasch Blätter bildete, dass der lästige Gras­wuchs nicht nur unterdrückt, sondern völlig ausgerottet wurde. In der Trockenzeit übernahm dann Centrosema pubescens die Bodenbedeckung und bildete eine unbrenn­bare Gründecke. – Für Jungpflanzungen entdeckte er später den so nützlichen nicht­holzenden Grünbusch Eupatorium odoratum, der ebenfalls Wasser aus der Luft aufzunehmen und in den Boden hinein abzuscheiden in der Lage war. Er belästigte die jungen Baumstecklinge nicht und wich, sobald diese später ihre Kronen entfalteten, von selbst dem entstehen­den Schatten und konnte dann durch die Kriech- und Klettergewächse Centrosema pubescens und Pueraria javanica ersetzt werden, die schattenverträglich sind. So gedie­hen seine Pflanzungen ohne Pflege, wurden ein Jahr früher ertragsreif (Gummibäume im 5. statt im 6. Jahr), wuchsen sattgrün auch in der 6-monatigen Trockenzeit und konnten den Ertrag bald kräftig erhöhen.

Auch der Brandrodung für neue Pflanzlandgewinnung machte er ein Ende, da er nicht einsehen konnte, wozu es gut war, riesige Mengen Biomasse einfach zu veraschen, und das nur, um die Nährsalze der Asche dann – da das Abbrennen gewöhnlich kurz vor Einsetzen der Regenzeit geschieht, um das gefällte Holz bis dahin gut austrocknen zu lassen – mit den ersten Sturzregen davonschwimmen zu sehen! Er ließ also die gefällten Bäume einfach liegen und sorgte für sofortige Oberwucherung durch Centrosema pubescens und Pueraria javanica. Am Ende der Regenzeit war dann das Weichholz von selbst verrottet und wurde durch die Regenwürmer dem Humus zugeführt, statt dass dieser in der Trockenzeit ausdörrt und fortgeweht wird. – Nur die wenigen Hartholz­stämme bleiben liegen, was aber eher nur ein Schönheitsfehler ist. Das für die Verrot­tung ‘verlorene’ eine Jahr wird durch das mit der früheren Ertragsreife gewonnene Jahr wieder wettgemacht. – Dieses Verfahren wurde jedoch von dem so unbiologischen Ordnungsgeist anderer Plantagenbesitzer nicht nachgeahmt. Für die Zukunft aber spielt es eine bedeutende Rolle.

Um zu verstehen, dass van der MEULEN über die begrenzte Anwendung seiner Entde­ckungen hinausdachte und weiterforschte, muss man sich die Waldvernichtung in den Tropen veranschaulichen: die Brandrodung diente ja nicht der Gewinnung von Dauer­kulturböden, sondern führte dazu, dass bald neuer Wald niedergebrannt werden musste, weil die soeben gewonnenen Ackerflächen schon nach 2 bis 3 Jahren aufgege­ben wurden: Schon im ersten Jahr wurden 20 cm Ackerkrume fortgespült und fortge­weht! Der Boden wurde trocken, sauer, ausgelaugt und unfruchtbar. Queckenartiger Graswuchs machte sich breit und erstickte alles Wachstum mit seinem Wurzelfilz. – Der auf wieder aufgegebenem Land nachwachsende Wald war so kümmerlich, dass einer 2. Brandrodung nach 20 Jahren unweigerlich die Trockensteppe folgte, reine Graswildnis.

Die -Eingeborenen müssen heute schon, Kinder, Frauen, Greise, stunden- bis tagelang gehen, um etwas Trockenholz für ihre Feuerstelle zu sammeln. Und nicht nur Äcker, sondern auch Kaffee- und Kakaoplantagen mussten zu Hunderten von Millionen Hektar aufgegeben werden, weil der Graswuchs unter den Bäumen den Boden in der Trocken­zeit nicht schützen konnte und ausdörren ließ! So verlor er rasch an Fruchtbarkeit, und die Plantagen rentierten sich nicht mehr.

So weicht immer mehr Wald der Steppe, und die Graswildnisse drohen zur Wüste zu werden!!! Gleichzeitig fehlt es an Grünwuchs, um die zunehmenden CO2 -Mengen der industriellen Öl-, Kohle- und Gasverbrennung wieder zu assimilieren und der Luft zu entziehen. Und die mit der Verschmutzung und Vergiftung der Weltmeere einherge­hende Bedrohung des Planktons (grüne Einzelleralgen, die auch dem Fischbestand als Nahrung dienen) als Sauerstofferzeuger (frische Meeresluft!) kann durch die Vernich­tung der tropischen Regenwälder nicht mehr ausgeglichen werden. Schließlich wird auch der vor schädlicher UV-Strahlung schützende Ozongürtel unserer Lufthülle weniger durch Spraydosen als durch Stickstoffkunstdünger zerstört (mindestens doppelte Faktorwirkung) Der Stickstoff von Ammonium Sulfat geht an der Luft in Stickoxyd über, das nicht nur Ozon zerstört, sondern dann selbst sauer abregnet und so heute auch unsere Wälder vernichtet! Die Chemische Industrie aber sieht in der immer unfruchtbarer werdenden Welt die Chance, den Verkauf von Kunstdünger in der 3. Welt zu verfünffachen! Die offiziellen Stellen der Regierungen und der UNO folgen diesem Trend und unterstützen nur technische Bewässerungsvorhaben, ohne biologische Absicherung, die daher vermehrte Kunstdüngergaben und Pestizidverseuchung im Gefolge haben. Aber die Brunnen versiegen, wenn die dauergrüne Bodendecke fehlt! Und so sind bislang alle Versuche, der wachsenden Wüste auf Dauer Einhalt zu gebieten fehlgeschlagen.

So bedeutet die Waldvernichtung zugleich Sauerstoff-, Ozon- und Wasservernichtung.

Sie kann auch den Treibhauseffekt des zunehmenden Kohlesäuregehalts der Luft nicht mehr ausgleichen und entblößt uns nach Auslaufen der Erdöl- (in 30 Jahren!) und Kohlevorräte (in etwa 100 Jahren) jeglicher Möglichkeit, Sonnenenergie wieder auf natürliche Weise in Brennstoff zu verwandeln. – Die mit vielen, auf die Dauer nicht beherrschbaren Gefahren verknüpfte Atomenergie – deren Uranvorräte zusammen mit dem Erdöl erschöpft sein werden – stellt auch keine Abhilfe in Aussicht. So steht die Menschheit arbeitslos (!!!) Hunger und Untergang gegenüber, und 70 Millionen sterben heute schon jährlich Hungers in der 3. Welt.

Wenn nun die Waldvernichtung all dies im Gefolge hat, so musste die Wiederherstellung eines dauergrünen Erdballs auch all diese Sorgen wieder überwinden können. Das konnte nun aber nicht ‘zurück in den Urwald’, sondern musste vorwärts zu einer dauer­grünen Kulturlandschaft heißen!

Es galt also vor allem, die Trockenbrache zu beenden: Lässt man nach der Ernte in den Tropen den Acker umgepflügt liegen, so verschwindet mit der Trockenheit auch die Kolloidale, durch das sichtbare und unsichtbare Bodenleben bedingte klebrige Boden­bindung: Und schon wird die Bodenkrume zu Staub, und der nächste Sturm weht sie fort. Kommt schließlich die Regenzeit, wird alles in Sturzbächen fortgespült. Hier setzte van der MEULEN den ‘Simultanfruchtwechsel’ zur Dauergrünvorsorge ein: Schon 2 bis 4 Monate vor der Ernte, je nach Kultur, wird in die stehende Nutzfrucht bereits eingesät und eingepflanzt, was nach der Ernte als unbrennbare Gründecke auch in lang anhalten­der Trockenzeit den Boden schützen und mit Wasser aus der Luft zur Erhaltung des Bodenlebens versorgen soll. Hier konnte ein Bodenbewuchs erzielt werden, dessen Verdunstungsleistung 1000 bis 2000 mm Niederschlägen entsprach, obwohl nur 300 mm Regen fielen. Und je nach Bedarf konnte diese Bodendecke zwischen 40 cm und 3m hoch eingestellt werden. Ende des Jahres wurde sie, kurz nach Beginn der Regenzeit, – genutzt um eben noch einen kräftigen Schuss Biomasse hinzuzugewinnen, .abgeräumt und unter dem Wurzelhals abgeschnitten. Zwischen die hohen Mulchhaufen konnte dann die Nutzfrucht: Mais, Trockenreis, Kartoffeln, Hirse, Bohnen, Maniok u.a. ausge­bracht werden.

Die Dauergrünvorsorge wurde durch bioökologisch gesicherten Wasserschutz ergänzt: Flache, mit geeigneten Pflanzen befestigte und nur sanft geneigte Wassereinzugsgräben sammelten das Wasser in selbstreinigenden Abzugsgräben und führten es dem natür­lichen Bach- und Flußsystem zu. Dieser grünfeste Wasser- und Bodenschutz wurde zum Ausgangspunkt der 3. Verfahrenslinie: der Bodengesundung schon aufgegebener Böden.

Während noch bebaute Böden durch den grünfesten Wasser- und Bodenschutz und Simultanfruchtfolge zur Dauergrünvorsorge ausreichend wieder gesundeten, so dass sie nicht aufgegeben werden mussten, sondern erstmals als Dauerkulturen geführt werden konnten, mussten die längst aufgegebenen Graswildnisse erst einmal einer Bodengesun­dung zugeführt werden, die sich über zwei Jahre erstreckte, um dann mit Beginn der 3. Regenzeit erstmals bebaut werden zu können. Die ersten 2 Jahre dienten nur der Boden­bedeckung. War der Boden sehr stark verarmt, wurde zunächst Mimosa invisa mit der 1. Regenzeit eingebracht, die den Boden soweit verbesserte, die daß übrigen Bodengesun­dungs- und Bedeckungspflanzen folgen konnten. Da Mimosa invisa reichlichen, nach Jahren noch keimenden Samen bildet, muss die Blüte abgeschlagen werden, damit sie nicht unerwünscht wuchert.

Die Dauerfruchtbarkeit wurde so in den Tropen erstmals durch Dauerbegrünung erzielt. Und das war die entscheidende Voraussetzung für das Ende der Waldvernichtung! Denn nun mussten die Kulturböden nicht mehr nach kurzer Zeit aufgegeben werden! Das zweite musste die Rückgewinnung der schon vor langem aufgegebenen und zu – Savan­nen und Grassteppen gewordenen Flächen sein. Dafür war ein grüngesicherter und selbst reinigender Wasser- und Bodenschutz unentbehrlich, der nicht verschlammte und nicht gewartet zu werden brauchte: Umfassungsgräben der gewünschten Kultur­flächen gegen nicht genutzte Hügelkuppen, um das von dorther zu erwartende Sturz­wasser aufzufangen und umzuleiten, ergänzt durch sanft geneigte Einzugsgräben innerhalb der Kulturfläche und Abzugsgräben. Wenn möglich waren die Hügelkuppen selber mit holzigem Dauerbuschwerk zu befestigen.

1964 konnte G. F. van der MEULEN dem brasilianischen Parlamentsausschuss für Land- und Volkswirtschaft eine 300 ha große Versuchsfläche vorstellen, die auf dem Planalto, in der Nähe der mitten in die Graswildnis gebauten, neuen Hauptstadt Brasilia, eine in nur 3 Jahren herangezogene Insel 3 – 5 m hoch wogenden Blattgrüns geworden war. Der sehr beeindruckte Ausschussvorsitzende, Dr. Croazy de Oliveira, erstatte dem Parlament darüber Bericht: “Herr Präsident, ich bin sehr interessiert daran, hier heute zu berichten und aktenkundig zu machen, was wir alle als ein Glück betrachten dürfen: Den Besuch der wundervollen Leistung, die ein brasilianischer Fachmann unter Leitung eines nie­derländischen Fachmanns, des Prof. van der MEULEN, hier bei Brasilia auf einem bloß noch Skelett von Boden, wie wir ihn alle kennen, vollbracht hat. Fast alle Ausschuss­mitglieder sind da gewesen. Die Bodenschutz- und Gesundungsarbeit, die sie geleistet haben, ist tatsächlich interessant und wird für unsere Wirtschaftsentwicklung recht nützlich sein. Es kann wohl gesagt werden, dass es sich hier um etwas völlig Neues in der Praxis der Bodensicherung handelt. Es ist nicht einfach Gründüngung, sondern eine durch und durch grüne Landwirtschaft auf der Grundlage von Vorgängen, die uns bislang unbekannt waren.”

Der brasilianische Fachmann war Prof. Magnanini. Man hatte im Übrigen einen sauren Boden (pH-Wert 4,3) ohne Kalkgaben, allein durch rottende Biomasse, wieder auf einen pH-Wert von 5,5 gebracht. (Nach van der MEULEN beeinträchtigen Kalkgaben die frei verfügbaren Alkali-Ionen und lassen den Boden verarmen).

Das Bioökologische Verfahrensbündel nach van der MEULEN umfasst also 4 innig miteinander verwobene Maßnahmen:

  1. Bodengesundung durch lebendige Bodenbedeckung
  2. Grüngesicherter, selbstreinigender, wartungsfreier Wasser- u. Bodenschutz
  3. Grünvorsorge durch Simultanfruchtfolge
  4. Urbarmachung ohne Abbrand des Holzeinschlags

Bodengesundung

Aufgegebene, ausgewaschene, ausgelaugte, saure, trockene, harte und von ‘grassieren­dem’ Grasbefall im Wurzelbereich verfilzte Böden werden von kriechenden und klet­ternden Hülsenfrüchten oder nicht ho1zendem weichgrünem Buschwerk , die reichlich Grünmasse bilden und außer Stickstoff auch Wasser aus der Luft holen und im Boden­binden können zu Beginn einer Regenzeit bedeckt. Dabei kann zu Anfang die Pionier­pflanze Mimosa invisa für sehr arme Böden unentbehrlich sein. Centrosema pubescens (kletternd, 3 – 9 m tief wurzelnd, auch Kaolinschichten durchbohrend, Wasser sam­melnd, ausdauernd) und Pueraria javanica (einjährig, kriechend, großblättrig, sofort wuchernd und Gras erstickend und ausrottend) können in “Impfkörben” vorgezogen werden, damit sie gleich beim ersten Regenguss weiterwachsen Die nach dem Schnitt unterm Wurzelhals zu Beginn der 3. Regenzeit verrottende Tiefenbewurzelung, erlaubt durch die zurückgelassenen, leeren Wurzelkanäle dem Boden, mehr Wasser aufzuneh­men und zu halten. Außerdem wird den Wurzeln der Nutzpflanzen und den Regen­würmern die Arbeit erleichtert und die als Mulchschicht oder Mulchhaufen verrottende Biomasse hat in die Tiefen des Bodens ausgewaschene Nährsalze wieder nach oben geholt und wasserunlösliche Phosphate des durch Bodenerosion freigelegten Laterits pflanzenverfügbar gemacht. Die Dauerbegrünung erlaubt den Fortbestand des sicht­baren und unsichtbaren Bodenlebens, der Bakterien, Pilze und Regenwürmer, auch in der Trockenzeit, und damit die Umwandlung aller Grün- und Wurzelmasse in Rotte und Bodenhumus, der den Nutzpflanzen wohlaufbereitet alle jene Nährstoffe anbietet, die von den Pionierpflanzen aus der Luft und aus der Tiefe herangeschafft wurden. Die ‘aufschließende Kraft’ dieses Verfahrens entspricht je Jahr und Hektar 3 – 4 Tonnen Kunstdüngergaben. Nach der 1. u. 2. Regenzeit Mulchschnitt in etwa 30 cm Höhe.

Bodenschutz

Umfassungs-, Einzugs- und Abzugsgräben sind nur einen Spatenstich tief. Der Aushub kommt auf die Oberkante und bildet einen Miniaturdeich, der mit Eupatorium triplinerve (ausdauernd, schattenverträglich und mit seinen Verzweigungen immer wieder neu Wurzeln schlagend) bepflanzt wird, die bald eine kleine Hecke bildet und den Deich trittfest werden lässt. Wände und Boden der Gräben sollen sich mit Indigofera spicata (syn. Endecaphylla) und Stylosanthes guianensis als niedrig kriechende Bodenbedecker mit Wurzeln schlagenden Ranken bewachsen. Diese Pflanzen können auch zunächst mit Impfkörben vorgezogen werden. Sobald sie sich ausgebreitet haben, können Regen­würmer eingebracht werden. Die Streifen bleiben in der Trockenzeit grün. Spätestens in der 2. Regenzeit können nun die Zwischenflächen 25 bis 50 m Abstand) nach dieser Bodenbefestigung am Hang mit Bodengesundern begrünt werden. Neigung der Einzugs­gräben 1-2 %, Abstand 25 – 50 m Zwischenraum, Höhenunterschied 1-2 m (1m bei 2%, 2m bei 8% Hangneigung). Über dem Miniaturdeich kann eine weitere Abzugsrinne geschaffen werden, die mit Schwemmgrund und organischem Material gefüllt wird, so daß Sturzwasser bei schwacher Hangneigung besser gebremst wird.

Der Hauptabzugsgraben sollte immer streckenweise sich etwas in die Erde bohren, also nach 1,5 bis 3 m, so daß dann eine Aufwärtsstufe kommt. Diese Strecken können mäan­dern, sich also hin- und herschlängeln. Gefälle etwa bei 6 %. – Dieser Bodenschutz gegen Sturzwasser muss auch die allererste Maßnahme bei Landnahme durch Baumfällung sein, wenn diese schon gar nicht zu umgehen ist, und zwar gleich nach Fällung der Bäume, falls nicht das Nutzholz vorher noch herausgeschleppt werden muss. Nur so können Auswaschungen vermieden werden. Grabenprofile 30×30 cm / 45° Wand­neigung.

Grünvorsorge

Die Simultanfruchtfolge zur Grünvorsorge, 2-4 Monate vor der Ernte der Nutzfrucht, dient dem rechtzeitigen Einbringen der lebenden Bodenbedeckung für die nachfolgende Trockenzeit. Das wird je nach Nutzfrucht eine andere Nachfrucht sein können. Wichtig ist zu wissen, dass die so wichtige Pionierpflanze Mimosa invisa ebenso wie Pueraria javanica ihre Blätter in der Trockenzeit verliert, und daher nur dauergrüne Ergänzung durch Centrosema pubescens, Eupatorium odoratum oder auch Eupatorium maximiliana (buschig und wassersammelnd), Phaseolus candidus var. Mambranaceus (kletternd, wassersammelnd) oder Crotolaria paulina (sehr nützlich) und Boehmeria caudata (ein Busch, der selbst einem Waldbrand widersteht) in der Trockenzeit Brand­schutz gewäh­ren kann. Pueraria javanica als Schatten werfend und Gras unter­drückend kann auch durch Tephrosia candida unterstützt werden. Handelt es sich um ein Stück Land mit erstmaliger Bodengesundung, so dienen die ersten beiden Regen­zeiten ausschließlich der Bodengesundung durch Lebendbedeckung, die auch in der Trocken­zeit unbrennbar grün bleibt und das Bodenleben in Gang bringt und in Gang hält! Zu Beginn der Trocken­zeit erfolgt jeweilig ein Mulchschnitt in 30 cm Höhe. Der 3. Mulch­schnitt zu Beginn der 3. Regenzeit bzw. ein wenig danach, um noch mehr Bio­masse zu bilden. Dann erst wird die erste Nutzfrucht zwischen die Mulchhaufen einge­bracht. Bevor diese Ernte reift, wird die Grünvorsorge für die nächste-Trockenzeit erstmalig eingebracht. Sie muß jetzt eingebracht werden, weil der 3. Mulchschnitt die Lebend­bedecker auch unter dem Wurzelhals mit einer Hacke abgelöst hat, so dass sie nicht von selber ausreichend wie­derkommen. Ihre frühzeitige Einbringung als Simultan­frucht­folge muss sicherstellen, dass es nirgends Austrocknung nach der Ernte gibt, sondern ein fließender Übergang ohne Unterbrechung statthat, weil sonst das Boden­leben abstirbt und Brandgefahr besteht!

Es gibt also verschiedene Aufgaben: Erhaltung jetziger Ackerflächen, Rückgewinnung verlorener Ackerflächen, Erhaltung bestehender Baumplantagen, Anlage neuer Baum­plantagen und schonende Landgewinnung aus Urland: Alles in allem Dauerkultivierbar­keit, die bislang noch nirgends erzielt werden konnte. In der Sahelzone wird man Elektro­zäune spannen müssen, um Vieh und Ziegen unter allen Umständen abzuhalten!

Zu beachten ist grundsätzlich:

  • Für die Bodengesundung sollte die lebende Gründecke 2 – 3 m Höhe erreichen.
  • Sie wird aus nichtholzenden Büschen und kriechend/kletternden Hülsenfrüchten bestehen.
  • Sie wird über 2 Trockenzeiten hinweg grün und unbrennbar bleiben müssen.
  • Sie wird lästigen Graswuchs bis auf seinen Wurzelfilz austilgen und ersticken müssen.
  • Sie wird das Humus bildende Bodenleben in der Trockenzeit ununterbrochen schützen.
  • Sie wird durch Blattfall und Mulchschnitte ständig Gründüngung bereitstellen.
  • Sie wird aber trotzdem stets frischgrün und unbrennbar bleiben.

Unerwünschte Versamung muss (Zeitblüher!) durch Rückschnitt verhindert werden. Prüfen, ob es trotz hoher Mulchdecke zu unerwünschter Versamung kommt! Bei sehr kargen Böden mit vorgezogenen Wuchskörben + Pfahl ‘Fruchtbarkeitsimpfung! Einjährige rasche Grünbildner zur Unterdrückung von Graswuchs nicht vergessen! Wasserein- und Abzugsgräben sind als Bodenschutz zur Bodengesundung nicht zu umgehen. Nicht kurzfristige Erfolge, sondern Dauerfruchtbarkeit erreichen! Daher: Simultanfruchtfolge zur Dauergrünvorsorge für die Trockenzeit nicht vergessen! Und: Nie und nichts verbrennen: Nutzen oder verrotten lassen!

Ergebnisse erfolgreicher Maßnahmen:

  • Bestehende Äcker und Baumplantagen müssen nicht mehr aufgegeben werden.
  • Auch schon aufgegebene Flächen werden wieder dauernd kultivierbar.
  • Neuen Trockengraswildnissen wird vorgebeugt.
  • Die Bodenerosion wird gestoppt – ebenso die Auslaugung der Böden.
  • Kulturland wird nicht nur erhalten, sondern ständig verbessert.
  • Dauerfruchtbarkeit und Klimaverbesserung führt zu sicheren Höchsternten.
  • Die Landbevölkerung wird wieder Arbeit haben und wachsenden Wohlstand erleben.
  • Die Elendsviertel der Städte werden sich durch Rücksiedlung rasch leeren.
  • Sich wieder einstellendes Wettergleichgewicht wird Missernten begrenzen.
  • Die Wasser speichernde Kraft der Pflanzen wird 1000-2000 mm Niederschläge ersetzen.
  • Ihre bodenaufschließende Kraft wird je Hektar 3-4 Tonnen Kunstdünger ersetzen.
  • Die zunehmende Dauergründecke wird mehr verdunsten und mehr Regen bringen.
  • Junge Kulturen sind früher zu nutzen, ältere werden mehr und länger Ertrag bringen.
  • Wird alles Trockenland begrünt, kann selbst der Ausfall des Planktons ersetzt werden.
  • Es wird nicht nur Sauerstoff erzeugt, sondern auch CO2 gebunden.
  • So wird nicht nur Ersticken, sondern auch Treibhauseffekt und Polschmelzen verhindert.
  • Kräftiger Rückgang der Kunstdüngerausbringung wird den Ozongürtel schonen.
  • Vermehrte Regenfälle werden Quellen und Flüsse wieder fließen lassen.
  • Die hohe Gründecke wird wie ein Urwald über 100 Tonnen Luftstaub je Hektar binden.
  • Babassu-Pflanzungen auf 20% der Savannen werden den Weltenergiebedarf decken!
  • Der intelligente Kulturdjungel wird das Dasein des Menschen endlich rechtfertigen.
  • Das ursprüngliche Fruchtbarkeitsklima ist wieder hergestellt.

Anmerkung: Ich pflegte bis vor zehn Jahren einen sehr engen Kontakt zu Horst von Hasselbach, der nicht nur zu den ökologischen Querdenkern zählte, sondern sich auch sehr eng mit medizinischen und wirtschaftlichen Themen auseinandersetzte. Haupt­beruflich arbeitete von Hasselbach als Japanologe und Sprachwissenschaftler. Auch den Aldrik Copijn (den Assistenten Professor van der Meulens) habe ich im Rahmen einer Reportage kennengelernt.