Drahtwurm

 

Der Drahtwurm hat einen Feind, und das ist die Gewöhnliche Stilettfliege (Thereva nobilitata), die man von Juni bis Juli an Waldrändern oder auf der Wiese findet. Sie legt die Eier in den Waldboden. Die Larven der Fliege fressen die Larven des Humusschnellkäfers (Agriotes obscurus L), möglicherweise aber auch andere Drahtwurm-Arten. Die Art steht nicht auf der Roten Liste. In Kanada zählen die Schnellkäfer zu den eingeschleppten Arten, und jetzt will man mit der Gewöhnlichen Stilettfliege als Prädator nachziehen. Diese Art ist bislang nicht in Nordamerika bekannt.

In Kanada wurden am Zentrum für biologische Landwirtschaft in der Provinz Nova Scotia noch zahlreiche andere Maßnahmen getestet, seien es Neem-Extrakt, Diatomeenerde oder Holzasche, keines der Produkte zeigte eine überzeugende Wirkung. Am besten erwies sich noch der Weiße Senf als Vorfrucht. Das geht auf die im Senf enthaltenen Glucosinolate zurück. Danach kommen aber auch andere Kohlarten in Frage. Die höchsten Glucosinolatgehalte weisen Weißkohl (bis 41.2 μmol) und Rosenkohl (bis 36.9 μmol), dicht gefolgt von Brokkoli (bis 35.6 μmol) auf. Die teilweise großen Unterschiede sind sortenbedingt.

Die Petersen Saatzucht aus Lundsgaard bietet Weißen Senf, Sareptasenf und Ölrettich zur „Biofumigation“ an, in erster Linie aber zur Krankheitsbekämpfung und gegen Nematoden. Die Arbeiten zur Bestimmung des Glucosinolat-Gehaltes der Petersen-Saatzucht wurden am Julius-Kühn-Institut durchgeführt. Der Einsatz gegen Drahtwürmer ist erst durch die kanadischen Versuche bekannt geworden.

Bei Wikipedia heißt es zum Stichwort „Senfölglycoside“ Da Senfölglycoside als konstitutive Abwehrstoffe (Phytoanticipine) gegen Tierfraß wirken, kann im Rahmen der Evolutionstheorie angenommen werden, dass diese Stoffgruppe im Laufe der Evolution zu diesem Zweck gebildet wurde. Nach neueren Erkenntnissen beugen diese Geschmackstoffe Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention, wie Sulforaphan oder Iberin. Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Prophylaxe von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt.

Durch ihren Chitin-Panzer sind die Insekten empfindlich gegenüber den Chitinasen, den Enzymen, die das Chitin abbauen. Der Forschungskreis der Ernährungsindustrie untersucht derzeit den Einsatz von Chitinasen zur Konservierung von Lebensmitteln –vornehmlich von Backwaren. Dabei geht es um den Schutz vor Schimmelbefall und Sporenbildung. Die Verwendung kälteangepasster aus Bakterien gewonnenen Chitinasen soll u.a. die traditionellen, teilweise künstlichen Konservierungsstoffe, die durch die E-Nummern gekennzeichnet sind, ersetzen oder ergänzen. Die Chitinasen sollen auch eine Konservierung bei Raumtemperatur ermöglichen. Die Chitinasen zerstören die Chitin-Bestandteile von Schimmelpilzen, wodurch deren Wachstum unterbunden wird. In der Projektbeschreibung heißt es u.a.: „Viele Chitinasen, darunter auch bakterielle, können an chitinhaltige Pilzmycelien binden und anschließend Chitin abbauen; eine damit verbundene wachstumshemmende Wirkung auf den Pilz ist die Folge. Daher erscheinen bakterielle Chitinasen für den Einsatz als Fungizid geeignet. Der Einsatz von Chitinasen als Fungizid erscheint entgegen der Verwendung vieler synthetischer Fungizide unbedenklich, da diese biologische Agentien darstellen, die vollständig abbaubar sind und nur Chitin enthaltende Organismen angreifen. Identifizierte Chitinasen mit fungizider Wirkung könnten im Nutzpflanzenbau zur Bekämpfung phytopathogener Pilze eingesetzt werden.“

Inwieweit die Chitinasen auch gegen den Schnellkäfer und andere Schaderreger eingesetzt werden kann wurde bislang nicht untersucht. Problematisch könnte hierbei sein, dass alle Insekten Chitin bilden, das heißt auch die Nützlinge. Chitinasen können aber auch helfen, Fusarium-Infektionen zu bekämpfen. Andererseits ist bekannt, dass Chitin und das aus Krustentieren gewonnene Chitosan nützliche Bakterien und Aktionmyceten fördert; darunter befinden sich chinolytische Mikroorganismen, die ihrerseits durch die zusätzliche Chitinzufuhr ihre Aktivitäten gegen Schaderreger verstärken. Der Schlüssel liegt möglicherweise in der Ausschaltung des Chitin-Synthase-Gens. An verschiedenen Universitäten wurden bereits mittels Gentechnik Fusarium-Mutanten erzeugt, die ihre Pathogenität verloren hatten. Im ökologischen Sinne ist es aber besser, die chinolytischen Mikroorganismen zu fördern. Bekanntester Vertreter ist Trichoderma. Andererseits wurden die Endochitinase-Gene aus Trichoderma bereits gentechnisch in Brokkoli, Kartoffeln und Tomaten übertragen. Bekannt ist die gute Wirkung von Trichoderma harzianum gegen verschiedene Fusarium-Erreger. Das heißt eine Chitin-Anwendung könnte das Wachstum dieser Antagonisten noch fördern.

Interessanter, aber auch verwirrender wird die Chitin-Story, wenn berücksichtigt wird, dass das Chitin im Lebenszyklus der Organismen, die Chitin in ihren Körpern eingebaut haben, auch immer wieder abgebaut werden muss. Ein Panzer aus Chitin kann auch einengend wirken; also müssen die Insekten, Spinnen, Hausstaubmilben usw. Chitinasen (Chitin-abbauende Enzyme) entwickeln. Werden diese Chitinasen gehemmt, gehen die Parasiten, aber auch die Nützlinge ein. Chitosan wird als Alternative zum Kupfer im Kartoffelbau geprüft; hierbei geht es aber um die Phytophtora-Bekämpfung

Syngenta hat eine Notfallzulassung für Nemathorin 10G erhalten; das gleiche Mittel wirkt auch gegen andere Schnellkäfer-Arten. Das Kontakt-Nematizid wird sowohl gegen die zystenbildenden als auch gegen die weißen Kartoffelnematoden eingesetzt. Bei Versuchen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erwies sich der Einsatz von Kalkstickstoff zum Häufeln als ebenso wirksam wie der Einsatz von Nemathorin (34 % im Durchschnitt; Bandbreite zwischen 32 und 70 %) und wirksamer als Gaucho.

Auf jeden Fall scheint es sinnvoll, Trichoderma zu fördern. In Wuppertal besteht bereits ein Unternehmen, das sich auf die Biotechnologie von Pilzen spezialisiert hat. Die Firma heißt BioMax GmbH. Sie bietet neben Mykorrhiza auch Trichoderma harzianum an. Die Firma empfiehlt die gezielte Beimpfung von Substraten mit Trichoderma (Kosten: 3-5 € je cbm), weist aber darauf hin, dass Trichoderma (angeblich) keine Schaderreger direkt bekämpft, aber die Kulturpflanzen vor einem Befall schützen kann. Dies steht im allerdings im Widerspruch zu den oben genannten Wirkungen. Allerdings wird Trichoderma durch die Mykorrhiza-Spezies Glomus interradices unterdrückt, wie wissenschaftliche Untersuchungen aus Kanada beweisen. Das hängt möglicherweise mit der Konkurrenz um Nährstoffe zwischen beiden Arten zusammen, wobei Glomus Trichoderma unterdrückt, aber nicht umgekehrt.

Ein anderes Produkt heißt Trichosan, das von der Firma Sauter & Stepper aus Ammerbuch vertrieben wird. Ein internationaler Hersteller ist die Nonprofit-Organisation American Type Culture Collection (ATCC), die eng mit dem britischen Laboratory of the Government Chemist (LGC) zusammenarbeitet – ein ehemaliges staatliches Labor, das 1996 privatisiert wurde. Weitere Hersteller sind u.a. die niederländische Firma Koppert, die österreichische Dohr Store, das Unternehmen SW-Düngesysteme aus Wolfenbüttel, die schweizerische Andermatt Biocontrol.

2012 hat eine vom Julius-Kühn-Institut geleitete Forschergruppe tote Drahtwurmlarven und Schnellkäfer untersucht. Dabei stellten sie Infektionen u.a. mit Beauveria bassiana, Metarhizium anisopliae, Isaria fumosorosea, Isaria spp. und Lecanicillium sp. sowie einen Befall mit Nematoden fest. Die beiden zuerst genannten Arten werden bereits als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. In Kanada und Australien wird Metarhizium bereits erfolgreich gegen den Drahtwurm verwendet. Derzeit läuft ein Forschungsprojekt zum Einsatz von Metarhizium gegen Drahtwürmer an der Universität Göttingen; das Projekt wird von Laurenz Hettlage betreut. Die Fachgruppe für Agrarentomologie unter der Leitung von Prof. Stefan Vidal arbeitet eng mit einer Forschungsgruppe an der FH Bielefeld unter der Leitung von Prof. Anant Patel zusammen. Professor Patel hat bereits ein Verfahren entwickelt, bei dem Rapssaatgut mit Beauveria bassiana gebeizt wird, um auf diese Weise die Rapspflanzen gegen Insekten zu schützen. Mit Hilfe des Projekts Inbiosol will er Formulierungen entwickeln, die den Einsatz von biologischen Insektenbekämpfungsmitteln erleichtern. Zur Drahtwurmbekämpfung kombinieren Prof. Vidal und Prof. Patel den Einsatz von Bäckerhefe und dem Pilz Beauveria. Die Hefe setzt CO2 frei, wodurch die Drahtwürmer angelockt werden. „Die Drahtwürmer orientieren sich im Boden an der Konzentration von Kohlendioxid, wenn sie auf Nahrungssuche sind“, so Professor Vidal. Beim Fressen schlucken sie den Pilz, der sie umbringt. Bei einem Probelauf auf niedersächsischen Feldern konnte der Drahtwurmbefall von 12 auf 2 % gesenkt werden. (Quelle: Rheinpfalz am Sonntag vom 8.3.2015)

Auch Köderfallen eignen sich zur Verhinderung eines Befalls. Bei einer Untersuchung in Rheinland-Pfalz erwiesen sich die Fallen aber nicht als sehr spezifisch. Köderfallen sind bei bei folgenden Firmen erhältlich: Temmen GmbH in Hattersheim erhältlich: info@temmen.de; Meles GmbH in Sankt Pölten: office@melesbio.at.

Die Vorfrucht spielt eine wichtige Rolle. Bei einem mehrjährigen Versuch an der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurde nach Ackerbohnen, Körnererbsen und Buschbohnen ein signifikant niedrigerer Befall festgestellt als nach Sommerweizen und Grünbrache. Als Zwischenfrucht zeigt der Perserklee eine gute Wirkung.