Regenwürmer

Ackerrandstreifen sind wichtig für eine hohe Regenwurmdichte. Die Randstreifen sollten sich aber durch eine hohe Artenvielfalt auszeichnen und mindestens zwei Meter Breite aufweisen. In diesen Randstreifen tummeln sich annähernd doppelt so viele Regenwürmer wie auf dem konventionell bewirtschafteten Böden, Das zeigte eine wissenschaftliche Untersuchung auf vier Landwirtschaftsbetrieben in der niederländischen Gemeinde Hoeksche Waard. Das Gesamtgewicht der im Boden tätigen Regenwürmer war sogar fast dreimal so hoch (84 Gramm je Quadratmeter gegenüber 31 Gramm). Durch die reduzierte Bodenbearbeitung wurde ein Wert von 51 Gramm je Quadratmeter erreicht. Die Beobachtungen waren unabhängig von den Umweltbedingungen und von der Bodenart. Ein höherer Humusgehalt führte ebenfalls zu einem vermehrten Auftreten von Regenwürmern. European Journal of Soil Biology Volume 66, Januar-Februar 2015

Regenwürmer beherbergen viele Mikroorganismen, die wiederum das Bodenleben bereichern. Allerdings werden sie etwas „faul“, wenn es ihnen zu gut geht. Das heißt Regenwürmer beherbergen umso mehr Mikroorganismen, je nährstoffärmer die Böden sind. In einem Forstboden scheiden die Regenwürmer mit ihrem Kot deutlich mehr Mikroorganismen aus als in einem Kompoststapel. Pedobiologia 68, 2015

Regenwürmer tun der Direktsaat gut, hat eine japanische Untersuchung ergeben, bei der zwei vor sechs Jahren auf Direktsaat umgestellte Flächen miteinander verglichen wurden: auf der einen, die mit Wintergerste bestellt war, gab es keine Regenwürmer; bei der anderen bestand eine hohe Regenwurmdichte (aus der Familie der Megascolecidae); hier wurde auf Unkraut- bekämpfung gegen die dominierende Glattspelzen-Fingerhirse verzichtet. Die Kohlenstoff- gehalte betrugen 5,0 bzw. 8,1 %. Infolge der Regenwurmbesiedlung wurden mehr Boden- teilchen größer als 1 mm beobachtet, die als wasserstabil eingestuft wurden Die Regenwürmer setzten 2,8 Tonnen Kohlenstoff je Hektar aus dem Bodenvorrat und 1,3 Tonnen Kohlenstoff aus Ernterückständen in stabile Bodenpartikel um. Innerhalb von elf Jahren konsumierten sie Bodenteilchen und frische Ernterückstände in einem Verhältnis von 9 : 1.   Soil and Tillage Research Volume 126, January 2013

Regenwürmer helfen nachweislich Pflanzenkrankheiten zu beseitigen. Das zeigen Versuche an der landwirtschaftlichen Forschungsstation des US-Bundesstaates Connecticut. Dabei wurden Spargel, Auberginen und Tomaten künstlich mit Fusarium oxysporum bzw. Verticillium dahliae infiziert. Die Hälfte der Versuchsgefäße blieben ohne Regenwürmer (Lumbricus terrestris); in die andere Hälfte wurden die Canadian nightcrawlers (wie sie in den USA genannt werden) eingesetzt. Der Befall verringerte sich um 50 bis 70 %; der Aufwuchs war um 60 bis 80 % besser. Gleichzeitig wurde ein höherer Gehalt an nüzlichen Mikroorganismen festgestellt. Vergleichbare Effekte wurden auch Freilandflächen festgestellt, die stark mit Fusarium verseucht waren.    www.ct.gov/caes

In dem in den USA gelegenen Gebirgszug Appalachen wird eine Regenwurminvasion beobachtet. Die mit dem Namen Alabama-Springer (lat.: Amynthas agrestis) bezeichnete Art stammt aus Asien und gilt als invasiv. Diese Art soll tatsächlich springen können (kein Angler- Latein!); innerhalb von zwei bis fünf Jahren vermag der Alabama-Springer Zentimeter-dicke Matten aus gefallenen Blättern zu verzehren. Zusammen mit dem in Europa gut bekannten Tauwurm (lat.: Lumbricus terrestris) zählt dieser Regenwurm zu den schädlichen Arten; insgesamt werden nur 16 der insgesamt 5.000 Arten als schädlich eingestuft. Unter dem massiven Verzehr leiden vor allem Tausendfüßler, die durch die Invasion verhungern.          24, Soil Biology and Biochemistry Volume 57, February 2013, Pages 212–216

Die in Nordamerika nicht einheimischen Regenwurmarten führen zu einer Verringerung der Vielfalt an Insektenarten. Das wurde in den kanadischen Wäldern am Beispiel des Tauwurms und der knapp unterhalb der Bodenoberfläche lebenden Art Dendrobaena octaedra festgestellt. Die beiden Arten ergänzen sich nicht, noch konkurrieren sie.   38, Soil Biology and Biochemistry Volume 57, February 2013, Pages 334–340

Je einheitlicher die Grasdecke, desto geringer die Artenvielfalt bei den Regenwürmern. Besonders beliebt bei Regenwürmern ist der Weißklee, während Wiesenlieschgras und Knaulgras eher verschmäht werden. Die N-Düngung zu Weißklee führt ebenfalls zu einem Rückgang der Regenwurmdichte.  80, Soil Biology and Biochemistry Volume 57, February 2013, Pages 713–719

Bodenbearbeitung vs. Direktsaat – auch bei den australischen Regenwürmer ist der Einfluss nachweisbar. Die Anzahl geht um das Zwei- bis Neunfache zurück, ebenso wie die Vielfalt. Während die tief grabenden (anektischen) Regenwürmer durch die Bodenbearbeitung zurückgedrängt werden, stellen sich mehr endogäische Arten ein, die an der Oberfläche leben – vorausgesetzt, es gibt genug Nahrung. Grundsätzlich ist die Bedeutung der Regenwürmer in Systemen mit konservierender Bodenbearbeitung größer als in Systemen mit herkömmlicher Bodenbearbeitung. Bei konservierender Bodenbearbeitung stehen ihre Fähigkeiten zur Änderung der Bodenstruktur und zum Nährstoffrecycling im Mittelpunkt. Auf einem sandigen Lehm sind unter Direktsaat ungefähr doppelt so viele Regenwürmer zu finden als auf gepflügten Feldern; auf auf einem sandig-tonigen Lehm sind die Unterschiede geringer.    Soil and Tillage Research Volume 57, Issue 4, January 2001, Pages 179–191

In Australien werden immer wieder Regenwürmer ausgesetzt, um die Bodenfunktionen zu verbessern. Auf einer 238 ha großen Milchfarm wurde die Auswirkung einer Reihe von Bodenfaktoren auf die Regenwurmpopulation der beiden eingeführten Arten Aporrectodea trapezoides und Aporrectodea caliginosa untersucht. Bodenverdichtung übte den stärksten Effekt aus, gefolgt vom pH. Besonders deutlich reagierte A. caliginosa auf den Bodendruck; über die pH-Abhängigkeit gab es in der Zusammenfassung keine Aussage. Die einheimischen Arten spielten auf dem Betrieb keine Rolle.       Soil and Tillage Research Volume 94, Issue 1, May 2007, Pages 75–82

Die konventionelle Bodenbearbeitung schränkt die Beweglichkeit der Regenwürmer ein und verringert ihr Nahrungsangebot. Deshalb ist es wichtig, die Ernterückstände auf der Bodenoberfläche zu belassen. Das haben kanadische Wissenschaftler in einem 15jährigen Dauerversuch herausgefunden, wobei sie die Pflugfurche mit der reduzierten Bodenbearbeitung und der Direktsaat verglichen. Die höchste Regenwurmpopulation zeigte sich in der Direktsaatvariante. Die Bodenbearbeitung übt einen stärkeren Einfluss aus als die Höhe des Angebots an Ernterückständen. Die stärkste Regenwurmvermehrung gab es in der Variante reduzierte Bodenbearbeitung plus hohe Ernterückstände.     Soil and Tillage Research Volume 104, Issue 2, July 2009, Pages 311–316

Eine ältere, aber dennoch wichtige Meldung. Kreiselegge und der Pflug haben den Tod vieler Regenwürmer zur Folge. Wer Wiesenschwingel- und Luzerneschläge mit dieser Technik umbricht, bringt im ersten Schritt (Kreiselegge) 61 bis 68 % der Regenwürmer um und mit anschließenden Pflugfurche weitere 12 bzw. 9 %. Glücklicherweise erholten sich die Bestände wieder. Besonders robust reagierte Aporrectodea caliginosa auf die Pflugfurche, während Lumbricus rubellus und Lumbricus terrestris die ungestörten Luzerneschläge bevorzugten.     Soil & Tillage Research, Volume 35, Number 3, September 1995 , pp. 125-133(9)

Ein zehnjähriger Vergleichsversuch in zwei US-Bundesstaaten zwischen Pflug und Strip Tillage brachte eindeutige Ergebnisse. Auf den Strip-Till-Flächen wurden 31mal mehr Regenwürmer gezählt als auf den gepflügten Flächen. Daneben wurden noch Vergleiche zwischen konventioneller und biologischer Erzeugung sowie zwischen kontinuierlichem Tomatenanbau und vielfältigen Gemüsefruchtfolgen angestellt. Es handelte sich um feinsandige Lehmböden. Die Unterschiede zwischen Pflug und Strip Till waren deutlich größer als die zwischen konventionell und Bio. Immerhin wurden auf den biologisch bewirtschafteten Strip-Till-Flächen 24 Regenwürmer je m2 gezählt; auf den konventionellen nur 15 je m2. Zum Fruchtfolgeeffekt gab es keine Aussagen.       Soil and Tillage Research, Volume 110, Issue 1, September 2010, Pages 42-50

Die verschiedenen Regenwurmarten reagieren unterschiedlich auf die Bodenbearbeitung. Das zeigen Versuche von Christoph Emmerling an der Universität Trier, die im Jahr 2006 veröffentlicht wurden. Danach wurde Aporrectodea caliginosa positiv durch das Pflügen beeinflusst, wohingegen Aporrectodea longa, Lumbricus castaneus und Satchellius mammalis eine positive Beziehung zur Grubbervariante zeigten; Allolobophora chlorotica vermehrte sich am stärksten durch die Direktsaat. Grundsätzlich ging die Verringerung der Bodenbearbeitung mit einer besseren vertikalen Durchmischung der organischen Bodensubstanz und einer größeren Artenvielfalt bei den Regenwürmern einher.        European Journal of Soil Biology Volume 45, Issue 3, May–June 2009, Pages 247–251

Wer etwas besonders Gutes für seinen Boden tun will, sollte die Förderung der Regenwürmer mit der Förderung der Mykorrhiza kombinieren. Das zeigt zumindest ein Laborversuch mit markiertem Stickstoff und Weizenstroh in einem sterilisierten Boden. Die Regenwürmer allein hatten die N-Mineralisierung des Weizenstrohs um 47.7 % gefördert (im Vergleich zur Kontrolle); die Mykorriza wirkjkte für sich noch besser (87.4 % N-Mineralisierung gemessen in den Wurzeln); durch das Zusammenspiel zwischen Regenwürmern und Mykorriza wurde die N- Mineralisierung in den Wurzeln um weitere 36.2 % gesteigert.   Biology and Fertility of Soils – April 2013, Volume 49, Issue 3, pp 263-271

Die intensive Bodenbearbeitung im Kartoffelbau führt zum massiven Verschwinden von Regenwürmern. Das zeigen Versuche in Irland. In der Fruchtfolge gingen drei Jahre mit Weizen voraus, wobei in einer Variante noch Weißklee als Untersaat gesät wurde und die Fläche minimal bestellt wurde. Die anschließende Intensivbearbeitung zur Kartoffelbestellung reichte aus, um die Regenwürmer weitgehend zu eliminieren! In den konventionell bestellten Weizenschlägen waren vor der Kartoffelbestellung 319 Regenwürmer je m2 (55 Gramm Lebendgewicht) vorhanden, in der Kleevariante sogar 1.160 Regenwürmer (175 Gramm), danach nur noch 40 bis 82 Regenwürmer (4 bis 19 Gramm). Durch die später folgende Kartoffelernte ging die Zahl weiter zurück und erholte sich in den folgenden zwei Jahren auch nicht wieder!             European Journal of Soil Biology, Volume 38, Issue 2, April–June 2002, Pages 127–130

Regenwurmgänge werden gut von den Wurzeln genutzt. 20 % der Gerstenwurzeln gehen bis in Tiefen über 65 cm, Bei den Zuckerrüben sind es sogar 40 %.